B-Wurf Wochenrückblick

3. Woche nach dem DeckakT

23.06.2019

Es ist unglaublich still in der Villa der Seeprinzessin. Das liegt zum einen daran, dass es draußen immer wärmer wird und wir uns alle drei am liebsten im kühlsten Raum verstecken und Siesta halten. Zum anderen, steigt die Anspannung, die mich die Luft anhalten lässt. Es ereignet sich einfach nichts, was auf eine mögliche Trächtigkeit hindeuten könnte. Die üblichen Anzeichen wie Kuscheln und erhöhtes Fressbedürfnis gelten nicht für die Seeprinzessin, da sie beide Eigenschaften von Haus aus in überdimensionaler Ausprägung mitbringt.

Also suche ich nach weiteren Indikatoren. Ich finde in der Literatur das sogenannte Rotkäppchen-Syndrom. In der 3. Trächtigkeitswoche soll sich der untere Zitzenrand deutlich rot verfärben, wenn die Hündin Mama wird. Aber was ist deutlich rot? Wenn ich lange genug hinschaue, dann haben die Zitzen der Principessa tatsächlich einen blassroten Hof. Jetzt hoffen wir mal, dass Rotkäppchen es mit der Intensität des Rottons nicht so ganz ernst meint. Und ich hoffe weiter, dass der Ultraschall nächste Woche die lang ersehnte Gewissheit bringt und Anfang August kleine „Bootsmannprinzessinnen“ geboren werden. Aber dazu mehr demnächst.

 

2. Woche nach dem DeckakT

16.06.2019

Ich liege nach einem langen Tag entspannt auf dem Sofa. Da stupst mich eine kalte Nase von der Seite an. „Darf ich Kuscheln kommen“ scheint mir die Principessa sagen zu wollen. Natürlich, ich gebe ihr ein Zeichen und sie nimmt der Länge nach auf mir Platz, räkelt sich wohlig, legt mir eine Pfote auf die Schulter und schaut mir tief in die Augen. Es wird alles gut, sagen ihre schönen Augen. Ich will ihr glauben.

 

Dann steigt sie herab und flaniert in die Küche direkt zu ihrem Futternapf. Sie hat erst vor einer halben Stunde gespeist, aber das war ihr zu wenig. Gerade in den ersten Wochen sollte sie, also eher ich, eigentlich noch auf ihre Linie achten. Das interessiert Madam aber leidlich wenig. Wenn sie und Baron ihr Futter bekommen, dann inhaliert sie ihre Mahlzeit trotz Schlingnapf. Mit einem Auge fixiert sie bereits Baron, der wie immer sehr genüsslich und langsam frisst. Er könnte sich ja unachtsam mal kurz wegdrehen und das wäre dann ihre Chance, an das ihr vorenthaltene Futter zu kommen. Mit dem anderen Auge sucht sie nach für mich unsichtbaren Krümeln in und rund um ihren Napf. 

 

Ich habe noch keinen Hovawart erlebt, der gleichzeitig atmen und fressen kann. Wie Kaa, die Schlange aus dem Dschungelbuch, singt sie Baron an: "Vertraue mir, dein Futter gehört mir". Dabei rollt sie psychedelisch ihre braunen Augen. Das kann ja heiter werden, wird es auch, aber mehr davon nächste Woche.

 

Der Deckakt und die 1. Woche

09.06.2019

Es ist zum Haareraufen, die Seeprinzessin macht mich zur Hofnärrin. Sie ist dieses Mal nicht nur um einen Monat zu früh, auch die Läufigkeit verläuft völlig anders als beim ersten Wurf. Einem Bauchgefühl folgend, fahre ich ein paar Tage vor dem vermuteten Deckzeitpunkt in die Tierklinik meines Vertrauens Dort erfahre ich, dass wir in den nächsten ein bis vier Tagen decken lassen sollen. Und da bricht bei der Rudelchefin Hektik aus. Die Betreuung vom Herrn Baron muss blitzschnell organisiert und die Deckrüdenbesitzer informiert werden. 

Und dann beginnt der Nervenkrieg für die Rudelchefin. Charack vom Burgtroll, genannt Bootsmann, findet Amira ganz allerliebst, der richtige Deckzeitpunkt scheint aber noch nicht gekommen. Hätte ich doch nur mal auf Baron gehört, der mein sicherster Deckzeitpunktbestimmer ist. Wir fahren nach 2 Tagen also wieder unverrichteter Dinge nach Hause und sind am nächsten Morgen nochmals zur Progesteronwertbestimmung in der Klinik. Inzwischen ist der Wert so hoch, dass nur noch ein kleines Zeitfenster für den Deckakt offen steht. Ich packe also meine Seeprinzessin ins Auto und fahre wieder zu Bootsmann. Der hisst gerade die Segel und bittet Amira an Bord. 

Gefühlte 578 graue Haare später ist es dann so weit. Inzwischen ist ein Unwetter aufgezogen, aber das hält den wackeren Charack nicht ab, bei rauer See sein Schiff in den sicheren Hafen zu manövrieren. Es ist vollbracht. Ich entspanne mich so allmählich und hoffe jetzt natürlich, dass die Gewitterhochzeit Früchte trägt, aber dazu mehr nächste Woche. 

 

© 2018 Michaela Kuhnt